Internet killed the cinema star, oder ist das Kino noch am Leben?

Die Abschiedsszene in »Casablanca«. Luke Skywalker gegen Darth Vader. Der Untergang der Titanic. Alles Meilensteine der Filmgeschichte, die erst auf der großen Leinwand so richtig zur Geltung kommen. Action, Spannung und ganz große Gefühle!  Und jetzt die Vorstellung, dass solche Szenen zukünftig nur noch auf Fernsehern und Computermonitoren geschaut werden? Leider die Realität…

Nachdem Video und DVD das Medium Kino schon stark geschwächt haben, hat das Internet ihm das Genick gebrochen. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Laut Bilanz der FilmFörderungsAnstalt (FFA) ist die Besucherzahl 2010 im Vergleich zum Vorjahr um 13,5% gesunken. Damit der geht der Abwärtstrend weiter, der 2001 begonnen hatte. Damals waren es noch knapp 178 Millionen Kinobesucher pro Jahr. 2009 noch 146 Millionen und letztes Jahr dann nur noch 126 Millionen. Ein Trend, der sich auch auf die Kinowerbung auswirkt: Der Tausenderkontaktpreis (TKP) für Kinowerbung lag im Jahr 2001 bei 39,27 Euro – 2010 lag er bei 54,69 Euro. Man muss also 40% mehr Geld investieren um die gleiche Anzahl an Personen mit seiner Werbung zu erreichen.
Kein Wunder, dass Unternehmen durch diesen enormen Anstieg der Kosten keine kreativen, unterhaltsamen Kinospots mehr drehen, sondern sich die Produktionskosten eines neuen Spots sparen und einfach das TV-Material im Kino weiterverwerten. Wenn sie überhaupt noch Geld für Kinowerbung ausgeben…

Das Ende vom Kino? Ganz im Gegenteil, wenn man sich die Zahlen mal genauer anschaut. Trotz des starken Rückgangs der Kinobesucher (an dem die Fußballweltmeisterschaft in Südafrika nicht unerheblich beteiligt war) sehen die Umsatzzahlen nicht ganz so schlecht aus: Dem Besucherrückgang von 13,5% im Vergleich zum Vorjahr stehen Umsatzeinbußen in Höhe von »nur« 5,7% gegenüber (von 976 auf 920 Millionen Euro). Grund hierfür ist der konstant steigende Anteil an 3D-Filmen im Kinoprogramm. Um einen Film in 3D sehen zu können, muss der Kinobesucher ca. 50% mehr bezahlen, als für den gleichen Film in 2D. Diese Preissteigerung verhindert einen größeren Umsatzeinbruch als die gesunkene Besucherzahl schließen lässt.
Aber ist die 3D-Technik die Rettung des Kinos? Experten sagen ja! Für 2011 wird erwartet, dass die magische Umsatzgrenze von einer Milliarde Euro durchbrochen wird. Mehr Kinos werden Ihre Kinosäle 3D-tauglich machen, mehr Filme werden in 3D gedreht werden (was auch an den höheren Kinoeinnahmen liegt), der Besucher bekommt ein breiteres und attraktiveres 3D-Programm geboten (da sich Unternehmen die Mehreinnahmen nicht entgehen lassen wollen) und das wirkt sich wiederum positiv auf die Besucherzahlen aus.

Für die Kinowerbung ergeben sich daraus neue Möglichkeiten, durch 3D-Technik wieder innovative und kreative Kinospots zu drehen. Werbung, die man gerne anschaut. Denn Kino ist »Single-Tasking«: Der Film steht im Vordergrund und mit ihm auch die vorangehende Werbung, sie »gehört dazu«.
Und wie bereits eingangs erwähnt: manche Szenen muss man einfach auf der großen Leinwand sehen. In diesem Sinne: Film ab!

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  1. […] nicht lange auf sich waren. Die breite Leinwand und das ausgeklügelte Surroundsystem boten dem Kinobesucher ein neuartiges, einnehmendes Kinoerlebnis. Derselbe Film nach einiger Zeit im Fernsehen betrachtet […]

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